1923 bis 1932

Über dieses Jahrzehnt kann  berichtet werden, dass der  Schützenbetrieb ohne größere  Hindernisse durchgeführt werden konnte.
Der Verein hatte inzwischen seinen festen Platz im Alltag Moorburgs. Schützenfeste,  Umzüge, Wettkämpfe um Pokale,  Vereinsgeselligkeit, Nachwuchsförderung, und durchweg harmonische Beziehungen auch zu anderen Gruppierungen und Vereinen in Moorburg und Umgebung.

Uns liegen aber immer noch keine schriftlichen Unterlagen über lnternitas des Vereins vor, wenn es jetzt auch schon den einen oder anderen unter den ältesten Mitgliedern des Vereins gibt, der aus eigener Erinnerung seiner Jugendzeit das eine oder andere beizutragen wüsste.

Schützenkönige 1923 bis 1932

1923! Die Inflation erreichte ihren Höhepunkt. Bis November dieses Jahres war der Kurs zum US-Dollar von 7.500 auf 4.2 Billionen Mark geklettert. (Ausgeschrieben sieht das so aus: 4.200.000.000.000l).
Sparer und Anleger hatten alles verloren. Dann wurde per Gesetz eine neue Währung eingeführt, die sogenannte Rentenmark, später Reichsmark genannt, die sich mit der Zeit als stabil erweisen sollte und die Wirtschaft langsam wieder anspringen ließ.
Die Zeiten blieben aber politisch unruhig.

Von 1923 - 1932 gab es allein neun verschiedene Kabinette mit neun verschiedenen Reichskanzlern, es gab Unruhen, Generalstreiks, Umsturzversuche, ständig musste hier oder da neu gewählt werden, und dabei gewann die 1920 gegründete NSDAP unter Adolf Hitler von Jahr zu Jahr hinzu, wurde 1932 sogar stärkste Partei in Deutschland.Auch in Moorburg.
Wobei aber  anzumerken ist, dass der Schützenverein sich politisch nicht verbiegen ließ.

1923! lm letzten Abschnitt berichteten wir über den HSV. ln diesem Jahr schaffte er die Deutsche Fußball-Meisterschaft im Endspiel mit einem 3:0 Sieg über Berlin-Oberschöneweide.

Seit 1924 gibt es nun einen Norddeutschen Rundfunk, auch in Moorburg finden sich erste Radios. Und die Moorburger Gastronomie blüht, es gibt an die   zwanzig Gastwirtschaften, die den vielen Hamburger Ausflüglern Gelegenheit zur Rast und Erfrischung bieten. Dieser „Boom“ wird erst ein wenig gedämpft, als 1925 die Walddörferbahn von Volksdorf nach Ohlstedt eröffnet wird und damit einen Teil der Hamburger Ausflügler sozusagen umleitet.

Das „Nachbardorf“ im Osten Moorburgs, Lauenbruch ist dem Untergang geweiht  und fällt einer Hafenenıveiterung zum Opfer. Eine noch erhaltene Liste von 1925  nennt für den Verein 140 Mitglieder, zum Teil Väter und Großväter der heutigen  Mitglieder.

 

1925 stirbt der erste Reichpräsident Friedrich Ebert. Zum Nachfolger wird der  kaisertreue Feldmarschall Paul von Hindenburg gewählt, damals schon 78 Jahre alt. Und 1926 hat der Parteiführer der NSDAP Hitler seinen ersten Auftritt als Redner in Hamburg.
Moorburg zählte erstmals mehr als 2.000 Einwohner.

1927 wurde der HSV abermals deutscher Fußballmeister.

lm Endspiel besiegte er Hertha BSC mit 5:2.

 

Aus den Protokollen der Liedertafel „Hammonia“ wissen wir, dass die Moorburger Schützen am 5.8.1928 ein „Heimatfest“ veranstalteten.
Dies wahrscheinlich zur Feier des 25-jährigen Jubiläums. 

Und 1929 wurden in Hamburg schon über 10.000 Autos gezählt.
Übers Radio  wurde zum ersten Mal das uns allen heute noch bekannte „Hamburger Hafenkonzert“ gesendet.

 

Mit dem UFA-Palast eröffnete das mit 2.667 Plätzen größte Kino Europas. Zu  der Zeit gab es in Hamburg schon über 70 Kinos. Und seit 1930 kann man im  „Planetarium“ im Hamburger Stadtpark einen lehr- und erlebnisreichen Blick in  die Welt der Gestirne werfen.

 

Nach der Inflation ging es mit der Wirtschaft bergauf. Mit dem sogenannten  „Schwarzen Freitag“ an der New Yorker Börse im Oktober 1929 wurde aber  auch Deutschland empfindlich getroffen. Die Arbeitslosenzahlen stiegen von  Monat zu Monat.
Wir wissen von anderen Vereinen in Moorburg, dass es  Einschränkungen und eine rückläufige Mitgliederzahl gab, bei den Schützen wird  es nicht viel anders gewesen sein. Und mit zunehmender Arbeitslosigkeit wuchs  die Unterstützung der NSDAP. 1928 - 2,6% I 1930 - 19,2% I 1932 - 31,2%.
Die  1919 ins Leben gerufene Weimarer Republik ging ihrem Ende entgegen.

Bild links 1925: SM Otto Wohlres mit 1. Vors. Otto Winkler in der von Rudolf Schmalfeld geführten Königskutsche 1925 beim Umzug vor dem Lokal
"Moorburger Schanze" Vorne stehend: Wilh. Pahnke, Karl Versemann, Otto Hatesuer, Herm. Senden, Otto Zeyn, Herm. Behnemann.  
Fahnengruppe: Heinr. Wiegel,(hinten), Heinr. Gehrkens, Karl Hubert,
Adolf Wiegel

 

Bild rechts 1930: vorne sitzend Rudolf Müller, Johs. Homann, Rudolf Otte,
SM Peter Lohmann, Karl Hesse, Otto Winkler, Fritz Pinkenburg beim Schützenfest 1930